Die Menschenwürde bei Kant

So, wir können auch anders – so richtig normal schreiben. Zwischendurch…

Zieht man Kant zu Rate, erscheint die Unterscheidung zuerst recht simpel: Würde wohnt einem jedem Menschen inne, Kant selbst bezeichnet sie als „das Vermögen der Menschheit, nach moralischem Gesetz handeln zu können“. Doch wie hat man dies zu verstehen? Eine Sache verfügt über einen Preis, einen gewissen (subjektiven) Wert. Sei es ein Marktpreis, ein Nutzen, eine Möglichkeit, um etwas gleich zu stellen und zu bewerten (Währungen als Beispiele) – Preis stellt etwas dar, auf dessen Wert man sich geeinigt hat, ein Arte Fixum, ob nun für einen Einzelnen selbst (je nachdem, welchen Wert eine Sache für diesen Menschen darstellt) oder im Allgemeinen an einer gemeinsamen Einschätzung der Sache an sich.

Die Würde bezieht sich auf die Person, die Persönlichkeit an sich und unterliegt keinem Zweck, der erfüllt werden soll/ muß – die Würde und Persönlichkeit lassen sich nicht subjektiv beurteilen, Würde ist ein absoluter Wert, an dem wegen Fehlverhaltens oder persönlicher Einstellung nicht gerüttelt werden kann. Man kann sie auch als Grundlage gegenseitigen, automatischen Respekt vor einander vergleichen. Ein würdevoller Umgang miteinander ist für die Menschheit auch Grundlage eines moralischen Zusammenlebens.

Würde, Menschenwürde steht in einem untrennbaren Zusammenhang zur Achtung des Gegenüber. Des Menschen, der Persönlichkeit und stellt nicht die Frage nach dem Preis wie bei einer Sache. Die Würdigung eines Preises stellt nicht dieselbe Menschenwürde dar wie die Anerkennung einer Würde, die keinem Preis obliegt, an einen erzielten Zweck festgemacht wird.

Was auf den ersten Blick etwas verworren klingen mag, zeigt bei näherer Betrachtung das Kant´sche Grundprinzip deutlich auf, bezeichnet er doch auch die Verachtung als Beurteilung einer „preislosen Sache, die keine Wertschätzung als solche verdient“ – was keinen Wert darstellt, wird verachtet.

Er geht weiter in seinen Darstellungen und zusammenfassend besagt dies: Die Würde wohnt jedem Menschen inne, jeder Mensch hat ein Recht auf Achtung, die Menschheit selbst stehe für Würde, mehr als nur Mittel zum Zweck. Die Würde steht für die Persönlichkeit. Kurz gesagt: Nicht, was ein Mensch tut, ob es einem anderen von Nutzen ist oder missfällt, darf den Ausschlag geben, ob man ihn achtet und anerkennt. Der Mensch hat diese Würde, unabhängig von allem anderen. Doch wird hierbei auch darauf verwiesen, dass man diese Würde nicht nur einfordern und leben darf, sondern sie auch eine Pflicht dem Gegenüber ist.

Sie ist auch eine Pflicht sich selbst gegenüber, wer dem Anderen keine Achtung und Anerkennung entgegenbringt, egal, welche Untugenden dieser mit sich trägt, untergräbt seine eigene Würde. Kant unterscheidet hier auch zwischen Untugenden und Lastern, zu denen er das Verhöhnen, die Nachrede und auch Arroganz zählt, ebenso wie die Verachtung als Laster gesehen wird. Hier eine weitere Ausführung Kants: Nach dieser dürfe man durch eine schlechte Tat nicht automatisch auf einen fehlenden Verstand Rückschlüsse ziehen, da dieser Mensch sein Fehlverhalten gar nicht verstehen könnte. Kant sieht es als eine Art Gebot an, bei allem auch das potentiell Gute zu sehen, über Untugenden hinwegzusehen, die Persönlichkeit als solche nicht aus den Augen zu verlieren.

Die Würde umfasst bei Kant und in seiner Tradition somit auch die eigene Würde, die man anderen zugesteht und die jedem von Natur aus inne wohnt. Die Würde, nach dem Verstand moralisch zu handeln, Achtung in sich zu tragen und von vornherein auch stets zu diese mit Anerkennung zu achten. Betrachtet man den Begriff „Menschenwürde“ heutzutage, fallen einem automatisch das Grundgesetz und seine Paragraphen ein, je nach Erfahrungsbild, die eine oder andere Behandlung, die einem am eigenen Leib widerfahren ist etc. Vielleicht mögen dem Einen oder anderen auch die teils menschenunwürdigen Zustände in bestimmten Institutionen einfallen oder gar Folter in den Sinn kommen.

Man ist heutzutage sehr schnell mit dem Wort „Menschenwürde“ bei der Hand, doch gewinnt die weit verbreitete Einstellung der Moderne einen eher fahlen Beigeschmack, wenn man sich Kants Meinungen und Äußerungen ins Gedächtnis ruft.

Von Recht wie Pflicht war die Rede. Die Rechte des Menschen, seine Würde und deren Achtung, auch per Gesetz, zu wahren, für jene zu kämpfen, ist löblich, doch was sagt dies wirklich aus. Fast ein Jedermann fordert Anerkennung sich selbst gegenüber, Achtung und Respekt ein, pocht auf seine Rechte, die verankert in einem Gesetzbuch sind, doch in vielen Verständen der Menschheit zu fehlen scheinen. Die Rede bei Kant war nicht nur davon, die eigene Anerkennung der eigenen Würde einzufordern und auf jene zu bestehen, als Persönlichkeit geachtet zu werden, unabhängig von Tun oder Denken.

Moralisch zu handeln – das Vermögen der Menschheit – doch von purem Egoismus steht nirgends geschrieben. Kant erklärt zudem den Willen, der oftmals eine große Rolle spielt und ebenso hier Beachtung findet, folgendermaßen: Sich selbst zum Handeln zu bestimmen, „eine Art Kausalität lebender Wesen, sofern sie vernünftig sind“ und unterscheidet am Rande ebenso zwischen bedingtem und unbedingtem Wert und verweist darauf, das nur ein Wille, der von Vernunft gekennzeichnet und bestimmt ist, einen gewissen Wert inne hat. Ein Wille, der von einer Meinung bestimmt sei, trüge nur einen relativen Wert von Zwecken in sich.

Die Würde als absolut innerer Wert, den man sich selbst aber durch seine Achtung anderen gegenüber, schützen und bewahren muss. So zeigt sich hier die Würde eines Menschen daran, dass er die Würde eines anderen achtet und diese Achtung nicht nur einfordert. Insofern reimt sich Würde auf Bürde – was eines gewissen Sinns nicht entbehrt.

Hier ein kleiner Verweis auf eine Folge der TV-Serie „NCIS: L.A.“: Nicht die Frage als solche was der Krieg, sondern was der Mensch mit dem Mensch anstellt.

Wo Würde ursprünglich als auch eine Art Verantwortung gesehen und genommen wurde, rückt dies immer mehr in der Hintergrund in der heutigen Zeit und man verweist mehr auf die Menschenrecht, doch kaum mehr darauf, aus was selbige in ihrer Grundüberlegung resultieren und was gelebt wie auch bedacht werden soll.

Der Zusammenhang ist auf den ersten Blick durchaus plausibel, denn es gilt die Würde des Menschen zu achten und wahren. Leider scheint dies nicht mehr ein natürlicher, moralischer Automatismus zu sein und bedarf daher einiger gesetzlicher Regelungen, Menschenrechtsorganisationen und dergleichen.

Es ist stets die Rede davon, die Würde des Menschen sei unantastbar, doch sieht man den Unterschied zwischen Menschenwürde und Menschenwürde [klingt seltsam, ist aber exakt so mit Absicht gewählt] kaum mehr. Man definiert dies nur noch über die Würde, die man für sich beansprucht, abgekapselt von allem anderen, und es gilt, diese Würde vor Bedrohungen außerhalb zu schützen. Doch stellt es nicht auch eine Art des Untergrabens selbiger dar, wenn man diese Form der Würde anderen abspricht und ihnen nicht die hieraus resultierende Achtung entgegenbringt? Kant verglich dies mit einem Baum, den man nicht herabwürdigen kann im Gegensetz zu anderen oder alle abwerten kann, weil er die Blätter hängen läßt. Er ist nicht weniger oder mehr wert, da das Grundprinzip zählt und nicht von einem subjektiven Wert abhängig ist.

Wie viele Menschen legen ein würdeloses Verhalten an den Tag und zeigen sich durch Verachtung ihrer Würde nicht bewußt, legen gar moralisch verwerfliches Benehmen an den Tag – und untergraben ihre eigene Persönlichkeit?

Aus diesen Beobachtungen resultierend muß man leider zugeben, daß sich die Begriffe „Menschenwürde“ und „Menschenrechte“ sozusagen „auseinander gelebt“ haben. Das eine basiert zwar auf dem Grundgedanken des anderen und soll das Ursprüngliche schützen und wahren, doch in der Umsetzung selbst geschieht dies ziemlich einseitig und verweist auch stets nur auf die Rechte und nicht die Pflichten. Die Appelle an die Einhaltung der Menschenrechte gleichen eher einem erhobenen Zeigefinder im Rande, diesem Punkt wird weniger Bedeutung beigemessen, es bedarf meist einer Bestrafung eines Verstoßes von außen, da nicht wirklich an die eigene Moral verwiesen wird.

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