Götterdämmerung Part II

Vor ihr stand ein geflügeltes Wesen, halb Löwe, halb Mann. Natürlich war ihr klar, daß nur Engel, Dämonen, übernatürliche Wesen, Tiere und Kinder ihn so sehen konnten. Menschen würden ihn als selbigen wahrnehmen. Sie ging einen Schritt zur Seite und er betrat ihr Apartment. Ihrem starren, eisigen Blick begegnete er mit einem sanften Lächeln. „Mein Name ist Jeremiel.“ Dieser Name ließ Amythiel aufhorchen und sie grübelte, während sie Richtung Sofa ging – als sie urplötzlich von einem enormen Schwindelgefühl und einer Menge fremder Bilder überwältigt wurde. Jeremiel fing sie sachte und begleitete sie zur Couch. „Er hat dich nicht vergessen. Gott hat mich geschickt. Du wirst einen Freund brauchen.“ Amythiel brach in lautes Gelächter aus und stammelte mit ihrer rauchigen Stimme: „Ja, genau. Er hat uns doch alle vergessen!“ Immer wütender werdend überschlugen sich ihre Worte, was in all den Wochen und Monaten geschehen war. Ihre Trauer über den Verlust ihrer Engelsgeschwister, ihrer Flügel, einfach alles brach aus ihr heraus.
Das freundliche Lächeln dieses, wie sie ihn sah, ´federnbehafteten Saftsacks´ brachte sie noch mehr in Rage, was ein stechender Schmerz in ihrem Bauch jäh unterbrach. Was zum Henker..?! „Amythiel, vertrau mir.“ Er reichte ihr die Hand und sie gingen nebenan. Wie ferngesteuert packte sie ein paar Habseligkeiten, verwirrt bis zur Unendlichkeit. Sie wurde zudem das Gefühl nicht los, Gabriel´s stechend blaue Augen in Jeremiel wieder zu erkennen.
Wild fuhr sie herum. „Warum packe ich eigentlich?!“ Ihr Tonfall war alles andere als versöhnlich, eher störrisch.

„Du bist doch der Cherub-Vogel, den er immer schickt, um was Nettes zu machen. Was zum Geier soll das alles?“ Jeremiel blickte gen Boden, räusperte sich: „Nun… Gabriel mag sich nicht erinnern. Aber unser Vater. Und Gabriels und deine Tochter.“ „Bitte was“, blaffte Amythiel ihn an. „Du willst mich doch verscheißern.“ „Oh, meine Liebe. Ganz ehrlich? Logisch. Ich tu mir die ganzen Qualen, hier rumzulaufen und Hunger zu haben an, um dich zu verarschen. Genau. Und jetzt komm und nerv mich nicht.“ Er zerrte sie am Arm hinaus auf den Hausflur, es wurde schwarz.

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