Irgendwas bleibt immer hängen – das Mittelalter hat da mal was hingelegt

Armutspolitik – zu jeder Zeit ein großes Wort, nicht nur in der heutigen Zeit. Und zu dem Zwecke wollen wir mal einen kleinen Blick zurück werfen ins späte Mittelalter. Was die heutigen Zustände damit zu tun haben, war doch der Begriff Armut deutlich anders geprägt, äußerte sich Armut anders als heutzutage. Mit dem, was der Mensch in zivilisierten Länder (bzw solchen, die sich gern so schimpfen) anno 20irgendwas zur Verfügung hat und selbst als Sozialhilfe-Empfänger erhält – reich wäre man im Mittelalter gewesen. Logisch, bloß waren die Bedürfnisse ganz anders, ich hoffe, da sind wir uns alle einige. Gut, man ist halt vielleicht eher dahingerafft worden, weil es keine oder unzureichende ärztlicher bettlerBehandlungen gab, zumindest nicht in der Form und, und, und – dafür gab´s aber auch keine Rezeptgebühr.

Und die wird ja netterweise nicht mal den Sozialhilfeempfängern mit chronischen Krankheiten erspart. Ernsthaft fei. Erst ab einer Summe Bla Blubb muß diese nicht mehr entrichtet werden. Armut definiert sich in jeder Epoche anders und hat insofern mal am Durchschnitts-Status Quo gemessen zu werden. Wir hatten hier mal vor einiger Zeit das liebliche Zitat, daß uns der Soli-Zuschlag genauso bleiben würde wie einst die Sektsteuer. Ja, is´ scho klar, alles nur für einen kurzen Zeitraum eingeführt, eine Übergangslösung. So für die nächsten dreitausend Jahre. Und wißt Ihr was: Uns ist noch was geblieben:

Um sich im Mittelalter vor allzu viel Wegelagerei und Bettelei, vor allem von Menschen außerhalb der Stadtmauern zu schützen (so war das Ganze gedacht) wurde der Bettelschein eingeführt. Hier wurde klar gemacht, wer um Hilfe bitten durfte und wer nicht. Ich für meinen bescheidenen Teil versteht so den Unterschied an sich zwischen Bitten und Betteln so: Bitten ist höflich fragen. Betteln ist sich penetrant und heulerisch bereichern. Sorry, aber genau das vermittelt dieser kleine, aber feine Unterschied in den gewählten orten. Frag ich mich ernsthaft: Muß man bedürftigen Menschen allein mit diesem Stempel noch jeden Tag aufs Neue klar machen, wie minderwertig man sie ansieht? Gleich mal brandmarken und ab in die Ecke schicken zum Schämen. Nicht falsch verstehen, Leute die´s echt auf die Spitze treiben, mit Kinderwägen Wohltätigkeit Hilfe ernötigen wollen (wohlgemerkt: Mit ohne Kind drin oder dran oder sonstwie), gehen echt zu weit und vielen auf den Sack.

Aber zurück zum Thema und der Sektsteuer: In manchen Städten ist man im Mittelalter hängen geblieben – der Bettelschein wird nach wie vor ausgestellt. Nach wie vor, um festzulegen, wer sozusagen „gewerblich und städtisch genehmigt“ betteln darf. Traurig, daß es sowas anscheinend braucht. Eine gesunde Scham bei jenen, die nicht wirklich was brauchen und mehr Menschlichkeit gegenüber jenen, die bedürftig sind, sollten eigentlich ausreichen – sollte man denken.

Und wer nun den nächsten wirklich nach Hilfe-Brauchen aussehenden und um Essen z.B. bittenden Menschen nach seinem Bettelschein fragt, ist schlichtweg ein Arschloch. Und wer Leute als Chef einer Drücker-Kolonne o.ä. zum sowas losschickt, auch.

 

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