Martyrs

martyrs coverHorrorfans werden die französische Produktion wahrscheinlich schon längst kennen und „Martyrs“ zählt sich neben Überraschungserfolgen anno dazumal wie „High Tension“ oder auch „Frontier/s“ zu einer wahren intensiven Ausgeburt des Wahnsinns. Es ist dabei eine wahre Pracht sich diesen Film mit Menschen anzusehen, die mit perfekter Null-Checkung geschlagen sind. Ja, oh tot-traurig, daß da im Rahmen eines Rachefeldzugs ein Mädchen erschossen wird. Wie kann man nur. Kinder!!! Und ab dem Zeitpunkt wird dann diskutiert, der Film tot gequatscht und man schaut ihn sich eben doch noch mal allein an.

„Martyrs“ erzählt die Geschichte von Lucy, die als Kind ihren Peinigern, die sie folterten etc, entkommen konnte und ihn einem Heim unterkam. Ihre Freundschaft zur gleichaltrigen Anna ist ihr eine enorme Stütze und während Lucy immer wieder in Selbstverletzungen abgleitet, kümmert sich Anna liebevoll und besonnen um ihre Freunde, scheint mit beiden Beinen im Leben zu stehen. Als junge Frauen gelten beide als gesund und können ihrer Wege ziehen. Doch Lucy wird nach wie vor von dem Gedanken getrieben und sich zu rächen.

So findet sie auch das Haus „des Grauens“ – und dort eine scheinbar harmlose Familie mit zwei halbwüchsigen Kindern vor. Fest entschlossen und davon überzeugt, sie sei hier an der richtigen Adresse, streckt sie die Familie nieder, und ruft aufgelöst Anna an. Sie gesteht ihr, was sie getan hat und Anna macht sich umgehend, von wo auch immer, auf, ihrer Freundin zu helfen. Die Leichen müssen weg, Lucy muß beruhigt werden usw. Diese macht derweil Bekanntschaft mit einer ausgehungerten, mehr als Horrorgestalt inszenierten Frau, deren Gesicht halb mit einer Eisenmaske martyrsverschraubt ist. Diese Frau greift Lucy an und verletzt sie schwer.

Anna verpflastert schließlich die Verletzungen und versucht des Nächstens im Regen, die Leichen im Alleingang wegzuschaffen, während sich Lucy schlafen schickt. Das wird natürlich so auch wieder nichts, hat doch die Mutter der Familie überlebt und Anna beschwichtigt sie, ruhig zu bleiben, wie würde sie rausholen. Lucy flippt in dieser Nacht komplett aus und bringt sich um.
An dieser Stelle wird noch nicht so ganz klar, weshalb Anna in dem Haus bleibt und wie aus dem Nichts tuchen andere Menschen auf, die nun sie als Opfer auserkoren haben. Das heile Familienleben war wirklich nur Schein, der Keller des Hauses hat ganz andere Späße bereit und es stellt sich heraus, daß die Familie lediglich einer Gesellschaft angehörte, die eine Antwort auf die Frage „was kommt nach dem Tod“ suchen und in ihren Augen nur eine Sorte Mensch dies wahrlich beantworten kann: Märtyrer. Im Angesichts des Todes mit einem Auge bereits auf der anderen Seite…
Anna läßt unglaubliche Qualen und Brutalität, Erniedrigungen über sich ergehen, sie ergibt sich den Umständen. Auch die „Monsterlady“ aus Lucy´s Wahrnehmung spielt noch einmal eine Rolle, Anna kann auch sie nicht retten.

Manche werden sich denken: Naja, halt wieder a Gemetzel, aber genau das ist es eben nicht. Zum einen brilliert der Film wirklich mit einer dichten und intelligenten Struktur, klasse Atmosphäre und toller Leistung der Schauspieler, zum anderen fasziniert dieses Bildspektakel absolut. Und im Grunde würd, wie auch bei „High Tension“ der psychologische Faktor Dreh- und Angelpunkt des Movies, bzw liegt eine psychologische Thematik zu Grunde: Nämlich jene bildliche Darstellungsweise, was ein Trauma in einem Menschen auslösen kann und welche unterschiedlichsten Überlebensmechanismen er zugleich entwickeln kann. Handelt es sich bei Lucy, Anna und der halb verhungerten, scheinbar endlos mit Narben entstellten Lady um ein und dieselbe Person… Absolut lohnenswert – aber bitte nicht mit ignoranten Trotteln anschauen, daß bringt nichts außer kaputte Zeit.

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