Meinhard – Am Kommerz vorbeihören

Mit dem Review zu “Alchemusic II – Coagula” haben wir Euch ja hoffentlich mehr als deutlich zu verstehen gegeben, was da für ein Kleinod für Freunde etwas düsteren, avantgarditischen, intensiven und vor allem rockigen Sounds zu haben ist. Und das, obwohl sich hinter Meinhard in diesem Sinne keine richtige Band verbirgt und Macher Jeremias Meinhard, eben nun mal, von Studio-Musikern abgesehen, alles im Alleingang gewuchtet hat. Herausgekommen sind nun halt einfach mal klasse Songs und da steh ich mit meiner Meinung nicht alleine da. „In erster Linie soll meine Musik natürlich die Hörer erreichen und ich hoffe auch, daß dies so gut und viel wie möglich gelingt. Über gute Reaktionen seitens der Kritiker usw freut man sich natürlich trotzdem. Wenn man sich mal abseits des Kommerz bewegt, auf sein Herz hört und sich auch nicht auf Netz und doppelten Boden in Sachen Kategorisierungen verläßt, ist es natürlich die größte Wertschätzung und ein sehr geschätzter Lohn für die ganze Mühe.“

Dabei ist es Meinhard nicht nur wichtig, so viel Menschen als möglich zu erreichen, sondern diesen auch etwas Gutes mitzugeben, sie happy zu machen. Sollte ein Leichtes sein und sich selbst scheint der musikalische Tausendsassa ja schon ein kleines Bißchen glücklich gemacht zu haben. „Das neue Album, also ‚Alchemusic II‘, war ursprünglich als Experiment gedacht, es sollte eine Zusammenarbeit mit vielen Musikern sein. Was schlußendlich dabei _MG_2144herauskam, wie hochkarätig die Gäste waren und auch wie einfühlsam diese zu Werke gingen, hat mich umgehauen. Meine Erwartungen hat das auf alle Fälle noch übertroffen. Mein Ziel war es, eine klare Verbindung zum Vorgänger, ‚Alchemusic I – Solve‘ erkennbar werden zu lassen und zugleich eine Form komplementärer Energie entstehen zu lassen.“

Viel vorgenommen hatte sich Meinhard damit schon – was ihm wohl anscheinend auch ab und an mehr bewußt war, als ihm lieb war: „Ja, das Ziel war hoch gesteckt und ich hatte oft genug meine Zweifel. Aber: Es hat alles wunderbar geklappt.“ Wichtig und bedeutend sieht Meinhard für das Scheibchen auch die vorangegangenen Live-Aktivitäten mit Lord Of The Lost und Blutengel. „Bevor ich mit Lord Of The Lost auf Tour unterwegs war, war es noch nicht wirklich klar, wer das Album produzieren würde. Die Konzerte mit Blutengel sind so natürlich auch mit der Auslöser und Grund für meine Zusammenarbeit mit Chris Pohl.“ Und so wurde aus dem anfangs geplanten Bündnis mit Musiker aus dem vertrauten Umfeld eben etwas vollends anderes.

„Eigentlich wollte ich für ‚Alchemusic I…‘ viele Musiker aus meinem gewohntem Drumherum vereinen, aber irgendwie dachte sich das Schicksal wohl etwas andere. „ Jaja, der Mensch denkt, der plant und das Universum lacht sich kaputt – oder wie war das nochmal… So kann´s gehen… „und ich bin sehr dankbar dafür“, fügt Meinhard an. Für Veränderungen allgemein scheint der Gute aber eh nicht zu verschlossen zu sein. Jedenfalls nicht, wenn es um seine Musik geht.

„Wenn man so sagen will, ist eigentlich der ständige Wandel einer der größten Einflüsse auf mich. Sicher, in der Basis bleibt Meinhard immer Meinhard – allerdings die musikalische wie auch visuelle Umsetzung unterliegt einer stetigen Veränderung. Alles hinterläßt seine Spuren, jede neue Musikfreundschaft, jedes Erlebnis in meinen Leben. Insofern ist jedes Album stets eine Momentaufnahme. Dabei macht es mir Freude, in verschiedene Ideenwelten einzutauchen und diese auch an das Publikum und die Hörer zu vermitteln.“ Der Arbeitsprozeß selbst bei den beiden ‚Alchemusic…‘-Platten ähnelte sich hingegen schon.

„ Im Grunde stand am Anfang eben das Meinhard typische Grundgerüst, sei es an kompletten Arrangements, den für meinen Sound charakteristischen Instrumenten. Im Gegensatz allerdings zu ‚Alchemusic I…‘, bei dem wir nah am Grundgerüst blieben und reduziert daran herumfeilten. Beim aktuellen Album haben wir der ganzen Sache mehr Luft und Freiraum gegeben. Alle Mitwirkenden sollten ihren Einfluß auf das Material, auf die Songs nehmen können. Zum Ende ging´s dann klar nochmal an die Korrekturen und Feinarbeiten, ein paar ‚Dekorationen‘ hier, ein bißchen ‚Garnieren‘ da, auch um den Bezug zu ‚Alchmusic I…‘ noch einmal zu verdeutlichen.“

Dabei ist Meinhard kein Künstler jener Sorte, der erst alles allein _MG_2200startet und dann die Alleinherrschaft trotz Zusammenarbeit beansprucht. Also kein Freund musikalischer Diktatur. „Die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern begrüße ich immer sehr. Egal, ob ich mit jemandem im Studio arbeite oder live – jeder hinterläßt seine Spuren und seinen Eindruck bei mir. Zudem bin ich offen für Austausch und Veränderungen.“ Ein Ziel hat Meinhard dabei schon auch vor Augen – bei aller vielseitiger Zusammenarbeit: „Ganz oben auf meiner Wunschliste wäre schon mal eine zuverlässige und so weit als möglich auch konstante Live-Band.“

Definitiv liegt es Meinhard am Herzen, als Künstler positiv und konstruktiv Einfluß auf den Hörer zu nehmen. „Natürlich kommen auch manche Inspirationen aus traurigen, niederdrückenden Erfahrungen, aus negativen Dingen ebenso. Trotzdem ist es mir auf allen Ebenen wichtig, den Menschen etwas Positives und Gutes zu vermitteln. Und vor allem auch den Glauben an das eigene Potential.“ Wenn man bedenkt, wie Meinhard mit seinem Schaffen begonnen hat, macht allein das doch schon Mut, einfach mal einen Schritt zu wagen. Und das Schöne an Musik: Sie nimmt ja nicht nur Einfluß auf den Hörer und vermag hier, ein wenig zu leiten, auch der Künstler selbst zieht seinen Teil daraus. Klar, steckt ja auch genug an Gefühl und Kraft hinein.

„ Mein Werk, meine Musik, ist mein Leben! Für mich bedeutet es einfach, der zu sein, der ich bin. Dabei geben mir sowohl der Entstehungsprozeß eines neuen Songs oder Albums ebenso viel wie das Gefühl, das fertige Ergebnis in Händen zu halten.“ Und selbstredend gehört zu Meinhard, zu dem Gesamtwerk, auch die Bühnenshow und, und, und… „In meinen Visionen und meiner Phantasie ist noch viel mehr – aber ich bin noch ein ganzes Stück davon entfernt, alles umsetzen zu können. Bühnenshow, die Musik, das Auftreten – all das ist untrennbar mit ‚Meinhard‘ verbunden.“ Und wie Meinhard schon meinte, stellen CDs eigentlich lediglich eine Momentaufnahme da – die Herausforderung liegt darin, ihnen jedes Mal aufs Neue frisches Leben einzuhauchen. Insofern ist doch Musik auch wirklich eine Form von Magie – oder kann es zumindest sein und selbige ausstrahlen.

„Das ist wahr – in unserer Welt sind viele Arten von Magie. Man sollte sie nur annehmen. Die damit verbundene Verantwortung allerdings auch. Empathie etwa ist ein maßgeblicher Teil in meiner Musik. Was mir im alltäglichen Trara oft das Leben bis an die Grenzen der Unerträglichkeit im Positiven wie im Negativen schwer macht – hier hilft mir die Musik, neue Dimensionen zu erschließen. Dimensionen , die für Seelen mit weniger empathischer Veranlagung verborgen bleiben. So schwer so ein Fühlen auch manchmal ist, ein Fluch und ein Segen gleichermaßen, so bin ich doch dankbar meine Wahrnehmung. Ich sehe es als meine Mission sie zum Wohle und zur Unterhaltung für alle einzusetzen.“

Dabei scheint Meinhard die ersten neuen Eindrücke schon wieder musikalisch zu verarbeiten, denn: „Ich arbeite schon wieder fleißig am nächsten Konzept und habe auch schon erste Songs dafür. Ich schare die potentiellen Mitwirkenden um mich, sammle Dinge für die visuelle Umsetzung. Mit der sagenhaften und eifrigen Unterstützung voll all den großartigen Menschen der geneigten Hörerschaft und hinter den Kulissen schaffen wir es immer wieder, allen Widrigkeiten zum Trotze, gemeinsam neue Wunder zu wirken! Aber zuerst einmal freue mich zunächst jedoch auf hoffentlich viele Auftritte, Musikvideos und spannende Kollaborationen mit Künstlern aller Art noch im Zeichen der Alchemusic.“

Liebe Leute, es liegt an Euch, dem Album die Aufmerksamkeit zu schenken, die es verdient – denn die Opfer und Arbeit, die dahinter stehen, auch wenn das Ergebnis noch so leichtfüßig klingt, kann man sich als Außenstehender kaum ausmalen. EV

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