Eine Frage der Entertainment-Kompetenz: Mit was hau ich mir heut den Kopf zu?

Ich hab zwar keine Ahnung ob dieser Begriff so stehen gelassen werden kann, aber warum eigentlich nicht? Für alles stellt sich doch heutzutage die Frage nach der nötigen Kompetenz, den Umfang selbiger, ob überhaupt irgendwo irgendwie ein Quäntchen vorhanden ist oder, oder, oder?

So, erstmal: Kompetenz stammt aus dem Lateinischen (competere) und bedeutet so viel wie: zusammentreffen, ausreichen, zu etwas fähig sein, zustehen. Frag ich mich jetzt, wenn es etwa um die viel zitierte Medien-Kompetenz geht: Heißt das dann:

Ich treffe auf ein Medium? Medien treffen sich gegenseitig (mitten aufs Auge oder zum Kaffee-Plausch? Ist das Medium kompetent. Und mit Medium ist nun grad kein Hellseher gemeint, sondern Medium wie Zeitung, Radio, Nachrichten etc. Oder steht am Ende dem Medium was zu? Whatever, an sich weiß jeder, was gemeint ist, nämlich kann man Gescheites von Quatsch noch unterscheiden.

Und weil nicht immer die arme Presse leiden soll, wenden wir uns doch mal dem Entertainment-Bereich zu. Und da sieht´s auch nicht so dolle aus, aber das wenterissen wir alle. Klasse ist durchaus vorhanden, sei es bei spitzfindigen, zynischen Comedians, intelligent gestrickten Filmen, aufwendigen Unterhaltungs-Shows, die wirklicher Kunst im jeweiligen Fach bedürfen – man denke hier auch an Tänzer, Illusionisten… wie´s aber eben so sein muß: Spreu und Weizen, wie gehabt.

Nur können wir bei der ganzen Masse, die tagtäglich an allem auf uns einprasselt, eigentlich noch wirklich unterscheiden und wirkliche Qualität und auch Futter fürs Gehirn und Anspruch, der uns auch selbst weiter entwickeln läßt und uns inspiriert, erkennen?

Oder lautet die bessere Frage: Wollen wir das denn überhaupt. Die Glotze wird angemacht, irgendwas wird schon laufen und wenn man´s kaufen kann, kaufen wir es auch irgendwann. Weil wir´s einfach oft genug gehört haben, wie toll das ist. Hirn aus, zum Einschalten zu faul.

Musik. Ist was Schönes. Im Radio hört man die heut kaum mehr, aber es macht Krach, meistens im Takt, kann man toll finden. Texte sind in einer anderen Sprache oder erzählen vom allbekannten Herzschmerz und anderen Tüteleien, die man in- und auswendig kennt. Soll kein Schmälern der entsprechenden Gefühle sein, aber mit was wirklich Neuem muß man sich dabei echt nicht auseinandersetzen.

Oder gar mal was nachschlagen. Neugierig… hm, weckt die nichts mehr oder ist es besser, es nach dem Sprichwort „curiosity killed the cat“ zu halten und sich der Gefahr der Neugier vollends zu entziehen?

„Wenn ich von der Arbeit geschafft nach Hause komm, will ich mich nicht auch noch anstrengen müssen.“ Tolle Aussage, ist knackig, prägnant – und der volle Bullshit. Schade, daß viele wohl ein Spielen mit der eigenen Phantasie, kreatives Ausleben oder auch den Wunsch nach Wissen als anstrengend erachten. Kategorische Allesverweigerer, bei denen man fast meinen möchte, der Kopf würde vor Schreck vom Hals fallen angesichts auch nur des Hauchs eigener Gedanken. Oder eben neuen, die einen selbst wiederum anregen.

Stattdessen lieber ins Wirtshaus rennen und den Scheiß aus der Bildzeitung nachfleddern. Oder, hey, ich hab´s!! Das ist die pure Resignation. Genau. „Ich krieg eh nie ein richtiges teures Steak und kann mir keinen Kaviar leisten, also fress´ ich Fast Food, bis ich platze, Hauptsach, d´Wamp´n is´ voll.“

Johnny Lee Miller hat ein wunderbares Beispiel in seiner Rolle als Sherlock Holmes gebracht: Er erklärt Watson anhand eines Glases voll Öl (bildlich für wichtige, gehaltvolle Infos), in das er Wasser (stellvertretend für gehaltlose Informationen) kippt, bis es das Öl nach und nach verdrängt, was ein zu viel des Quatsches anrichten kann. Ist natürlich auch wieder Quatsch, denn ins Gehirnchen paßt wohl theoretisch mehr als man denkt.

Aber die Frage nach Überfüllung durch produktive Inhalte stellt sicher heute nicht mehr allzu häufig. „Ich kenn den Namen von der und der Schauspielerin.“ Witze dürfen mittlerweile platt sein wie ein Bierdeckel, ein Gemälde muß schlicht hübsch und gut proportioniert gemalt sein und wenn es dann noch die Farben des eigenen Geschmacks trifft, findet man es schon gut. Oder toll. Der Rest ist ja schon fast wieder egal. Halbes Hinsehen, halbes Hinhören… irgendwie kommt doch alles nur noch halb an. Weil wir oft nur noch mit halben Herz bei der Sache sind und uns ob vieler destrastöser menschlicher Verhaltensweisen von eben jenen schwarzen Wolken, die diese mit sich bringen, die Sicht aufs Ganze verdeckt bleibt. Oder wir gar nix mehr genau wissen wollen.

Philosophie ist kein Entertainment, weil sie anstrengend ist. Hä?? Entertainment ist Unterhaltung, soweit sind wir uns einig. Wenn man für den/ die Ex zahlen muß, nennt sich das auch Unterhalt. Das heißt zwar für den Ex-Partner, daß es unterm Strich was zu essen gibt, aber nicht, daß es automatisch auch schmeckt. Soll heißen:

Unterhalt(ung) – jeder hat die Entscheidung, wie gehaltvoll er sein Leben, seine Ohren, Augen, Herz und Hirn und was weiß ich noch alles vollstopfen will. Ich kann mir für 100 Euro Sahnetörchen reinpfeifen bis ich speib und einen fetten Arsch hab – oder ein wunderschönes Picknick genießen und mich mit Leuten „entertainen“. Ich kann über seichte Pseudo-Witze lachen, weil einem die Fernseh-Sendung das so suggeriert und jeder Trottel mit lacht oder ich kann die Spitzfindigkeiten eines Comedians als einziger zum Lachen finden, weil´s der Rest vielleicht nicht kapiert. Doch eines sei gesagt: Nicht vieles ist so schön, wie die Neugier, die Suche nach der eigenen Betrachtungsweise und das Öffnen neuer Horizonte.

Unterhalt für die Seele und nicht Brot und Spiele. EV

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