Foltergeschichten – Geschichte (nur) von gestern?

„Pein und den glühenden Stahl und die Hiebe geschwungener Geißel,

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welche zerreißen das Fleisch, dann Fäuste der Henker und jede schmerzende Qual, selbst Brand in die offene Wunde geworfen, muss er erdulden. Es wird für Augen der Herren, künstlich der Leib, so weit es die Schraube der Folter gestattet, länger und länger voneinander gereckt, bis endlich dem Körper ausströmt völlig das Blut und der Brand von zergehenden Gliedern, bis das an das Innere dringt. Zuletzt selbst dampfen die Knochen.“

Diese grausige Schilderung stammt nicht etwa aus dem Mittelalter, sondern aus der Zeit des römischen Imperiums. So scheint es, dass Folter keine Erfindung des Mittelalters und seiner Folterknechte ist, vielmehr war die Folter schon damals Gang und Gäbe. Doch wie entstand diese morbide Technik die in ihrer Blütezeit sogar beinahe als Kunst verstanden wurde und sind wir wirklich soviel weiter, soviel zivilisierter wie wir beständig behaupten zu sein? Ist die Folter gar Ausdruck einer natürlichen Neigung der Menschen – oder liegt die Wahrheit wie so oft irgendwo dazwischen?

Begibt man sich auf die Suche nach den Ursprüngen der Folter stößt man unweigerlich an den Zeitpunkt vor welchem man keine Beweise mehr für Folter findet und dennoch der Gedanke nahe liegt, dass die Folter womöglich immer schon auf die eine oder andere Weise praktiziert wurde – etwa 2.000 Jahre vor Christus, zur Zeit der alten Assyrer. Schon damals war die Folter ein probates Mittel um Feinde zu brechen, physisch wie auch psychisch. So finden sich unter Anderem Bildnisse vom Hautabziehen oder der gezielten Blendung von Opfern aus dieser Zeit und fortan zieht sich der blutrote Faden durch die Menschheitsgeschichte in welcher der Mensch bisweilen vergaß, Mensch zu sein.

Die Griechen der Antike waren es jedoch, bei denen Folter das erste Mal nachweislich legitimiert war und insbesondere gegen Sklaven eingesetzt wurde um diese zu bestrafen oder gefügig zu machen. Zwar genossen die sogenannten Freien oder Freigelassenen eine grundsätzliche Folterimmunität, doch wurde diese in besonders schwerwiegenden Fällen auch gekonnt übersehen und missachtet. Scheinbar von makaberem Erfolg gekrönt übernahmen die Römer diese Techniken dann auch bereitwillig und verfeinerten sie oder erfanden gar neue Foltermethoden wie die Hungerfolter, die Wachfolter, oder die Ziegenfolter, bei welcher das Opfer auf einem Tisch fixiert wurde und ihm anschließend Salz auf seine Füße gegeben wurde. Daraufhin führte man eine Ziege herbei, welche alsbald begann das Salz auf den Füssen abzuschlecken wobei sich das anfängliche Kitzeln rasch in starke Schmerzen wandelte, nämlich dann, wenn die Ziege begann auch die Haut selbst mit ihrer rauen Zunge abzulecken. Schon diese eine Foltermethode deutet an wozu die menschliche Kreativität noch imstande ist – und dies sollten erst die Anfänge der „Folterkunst“ sein.

Musste vor Gericht damals ein Sklave eine Aussage machen, so war es eine Selbstverständlichkeit, dass dies nur unter Anwendung der Folter geschehen konnte, vermutlich um den „Wahrheitsgehalt“ seiner Aussage zu bekräftigen – frei nach dem Motto „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein“ – Befriedung durch Gewalt war ja bekanntlich eine Spezialität des römischen Imperiums und warum sollte man dieses Prinzip nicht auch auf das Gericht ausweiten. So wurde das römische Rechtssystem als eines der fortschrittlichsten der Welt angesehen und sollte nach einer Phase der Dunkelheit bald seine Auferstehung feiern.

Betrachtet man die Geschichte nämlich als eine Art makaberes Theater, so war die Antike erst die Generalprobe für die große Aufführung die nun folgen sollte. Es treten auf: die christliche Religion, die Ketzerei und die Inquisition. In den Nebenrollen der Papst, religiöse Eiferer und das römische Rechtssystem.

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