Spitzfindiger Comedy-Mystery-Thriller der etwas anderen Art: „Horns“

Eines möchte ich gleich vorweg nehmen: Auch wenn jedem Filme schauenden Menschen auf dieser Welt bei dem Namen Daniel Radcliff sofort Harry Potter einfällt – vergeßt alles, was Ihr an seiner Darstellung dadurch im Kopf habt einfach mal gleich von vornherein. Aber erstmal zu Plot:

„Ig Perrish (Daniel Radcliffe) lebt mit seiner Familie in einer friedlichen Kleinstadt. Doch als eines Tages seine Freundin Merrin horn cover(Juno Temple) vergewaltigt und brutal ermordet im Wald aufgefunden wird, richten sich alle Augen auf ihn. Die gesamte Gemeinde glaubt fest an die Schuld des jungen Mannes. Nur sein bester Freund Lee (Max Minghella) und sein Bruder Terry (Joe Anderson) halten noch zu ihm. Obwohl sich die Polizei alle Mühe gibt, kann sie keinen Beweis für Ig´s Schuld finden, sodass alle Anklagepunkte fallen gelassen werden.

Die Bevölkerung und die Medien kümmert das nicht weiter. Für sie steht der Schuldige fest. Als er nach einer durchzechten Nacht aufwacht, bemerkt Ig, dass aus seiner Stirn kleine Hörner zu wachsen beginnen. Entsetzt versucht er, sie entfernen zu lassen, stellt aber bald auch fest, dass sich die Menschen um ihn herum plötzlich merkwürdig benehmen. Sie beginnen, ihm ihre Geheimnisse zu verraten, bevor sie anfangen, ihren dunkelsten Trieben zu folgen. Ig entscheidet, dass sich diese neuen Fähigkeiten hervorragend dazu eignen, den Mörder seiner Freundin zu finden…“

So weit, so gut. Kennt jemand den Film „The End of the World“? In dem sich ein paar Kerlchen aufmachen, ihre nie zu Ende geführte Kult-Kneipentour nachzuholen und diese erst als bewältigt gilt,. Wenn sie es auch bis in die letzte Kneipe geschafft haben und auch in jedem Laden mindestens ein Bier reingepfeffert haben? Okay, ungefähr auf dieser völlig abstrusen Gedankenwelt kommt dieser Movie daher. Und es ist einfach klasse.

Da sind alle fest davon überzeugt, daß Ig seine Freundin umgebracht hat, aber einsperren? Das läuft mal so nebenbei bzw klappt mangels Beweisen nicht. Aber: Jeder ist felsenfest von seiner Schuld überzeugt (außer seinem Freund und Anwalt), er wird auch horns 2irgendwie durchaus von einigen Zeitgenossen angefeindet, aber im Grißen und Ganzen hüpft der Kerle doch munter frei durch die Gegend wie ein junger Gott.

Also, nicht wundern, nur staunen. Ebenso als ihm seine Hörner beginnen zu wachsen. Stört niemanden weiter. Eine paar blöde Blicke, ja, oder mehr? Allein der Dialog im Wartezimmer zwischen Mutter eines Brüllwürfel-Kindes und der Vorzimmerdame ist erstklassig und könnte glatt als bewußt lächerlich gemachte Fassung einer Szene aus „Die Wutprobe“ stammen. Vollkommen abstrus wird es, als Ig entdeckt, daß Menschen in seiner Gegenwart nicht mehr lügen können und er auch durchaus in der Lage ist, sie nun alle, wie ein Teufelchen eben, zu allem möglichen Quatsch zu verführen.

Vorher gibt er sich natürlich noch die Breitseite und holt sich all´ die abfälligen Bemerkungen seiner Eltern ab, den Schmerz seiner Mutter über seine Existenz, wenn man so sagen will… Nun, seißs drum. Während er beschließt, den Mörder seiner Freundin zu finden, zieht sich der Film teils schon ein wenig und man es einen zwischendurch in den Fingern juckt, um auszuschalten: Bloß nicht machen. So rettet er als Teufel (die Hörner wachsen übrigens unaufhörlich weiter) indirekt seinen Bruder, indem er diesen so lange „hypnotisiert“, bis dieser sich eine Menge an Drogen reinpfeift und halb anschmiert. Dieser lernt daraus seine Lektion.

horns 3Köstlich auch, als er die Polizisten, die ihn besonders auf den Kieker haben, dazu bringt, sich endlich ihre homosexuellen Neigungen gegenseitig zu gestehen. Witzig, gewieft – hat auf jeden Fall was. Zum Ende hin zieht der Film aber – alle Achtung – in Sachen Spannung und Thriller-Dichte ganz gewaltig an – dramatisch und blutig wird´s obendrauf. Man sollte also nicht unbedingt von der schein baren Leichtigkeit des Films am Anfang ausgehen, der hat schon Schmackes. Das schaut Ihr Euch aber bitte selbst an. Einzig kleine Kritik (Radcliff spielt übrigens absolut hammerartig – irgendwo zwischen Adam Sandler und Spawn): Das Zitat am Anfang ist wirklich klasse: „Manchmal, wenn man durch die Hölle geht, ist die einzige Möglichkeit, noch tiefer ins Feuer zu gehen.“ Aber die „Moral von der Geschicht´“ am Ende ist mir dann doch zu abgekitscht. Irgendwas ist halt immer. Geiler Film. (Universal) EV

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