Das einfache Grauen der Realität – „Wolf“ von Mo Hayder

Inhalt: „Ein einsames Haus am Waldrand. Es war ihr Zufluchtsort. Jetzt ist es die Hölle. „Es hört sich an, als würden sie gerade meine Tochter oder meine Frau bedrohen. Ich weiß nicht, was passiert. Jetzt ist es still.“ Vor fünfzehn Jahren wurde ein junges Liebespaar brutal ermordet. Der Hauptverdächtige gestand das Verbrechen und wurde verurteilt. Aber die Erinnerung an die Morde ist noch nicht verblasst. Als Oliver Anchor-Ferrers mit seiner Familie in das einsam gelegene Ferienhaus in der Nähe des damaligen Tatorts zurückkehrt, macht er eine schockierende Entdeckung: Ist der Täter von einst etwa wieder auf freiem Fuß? Noch kann er nicht ahnen, dass das schon bald nicht mehr seine größte Sorge sein wird. Der Albtraum kehrt mit voller Macht zurück, nur diesmal ist er die Hauptfigur …“

Ingenieur Oliver Anchor hat finanziell seine Schäfchen auf der sicheren Seite dank eines von ihm entwickelten Torpedo-Systems mit dem Namen Wolf. Allerdings erwischt es ihn dafür in Sachen Gesundheit, eine Herz-OP zwingt ihn dazu, kürzer zu treten und seinen Ruhestand früher anzutreten. Hier läßt er es sich mit Frau Matilda und Tochter Lucina gut gehen, immerhin kann sich der Landsitz „The Turrest“ mehr als nur sehen lassen und bietet ein mehr

Wolf von Mo Hayder
Wolf von Mo Hayder

als nur beeindruckendes Zuhause.

Lucinda ist es, die von dem Jahr zurückliegenden Morden immer wieder eingenommen wird und trotz der Festnahme des Täters geradezu unter panischer Angst leidet, dieser würde an den Ort des Geschehens zurückkehren. Eines Tages tauchen wieder grausame Funde von Gedärmen im Wald auf und so glauben auch Oliver und seine Familie, der Mörder sei ausgebrochen. Dies es stecken die „Detectives“ Honey und Molina dahinter… Die Anchors werden zu Gefangenen in ihrem eigenen Zuhause, werden mehr und mehr zu Opfern sadistischen /Psycho-)Terrors. Zunächst ist Oliver der Meinung, die Entwicklung seiner Waffe sei der Grund für das alles – ein Auslöser, der nun für Rache sorgt.

Es gelingt den Anchors, ihren Hund Bear mit einem Hilferuf unter dem Halsband versehen, aus dem Haus zu schaffen, doch wie es der Teufel haben will, bleibt von diesem Zettel nur ein mickriges „Helft uns“ sichtbar. Detective Inspector Jack Caffery sieht sich einem Rätsel gegenüber, das er so schnell als möglich lösen muß – mit Hilfe dieses Zettels und der Tatsache, daß sich im Magen des Hundes wertvoller Schmuck befindet.

Mo Hayder hat sich hier wieder seinem Protagonisten Jack Caffery zugewandt – eine Figur, die immer wieder in seinen Büchern auftaucht, wenngleich Hayder keine richtige Serie an den Start bringen möchte. Auch ist die Polizeitaucherin Phoebe »Flea« Marley nicht mehr an der Seite Caffery´s und der Held kann solo schalten, walten und zur Geltung gebracht werden, wie´s beliebt. Und Hayder schafft dies wunderbar und zeichnet ein intensives, vielschichtiges und doch klares Bild des Hauptprotagonisten. Caffery als Hauptfigur ist absolut genial gestrickt und paßt in diesen Thriller und seine Mischung aus beklemmender Dichte, Spürsinn und den Psycho-Terror der Ungewißheit, wie ihn die Familie Anchor erlebt, wunderbar hinein und vereint so auch die Stimmungs-Tendenz des gesamten Romans.

Der seelische Zerfall der Gefangenen wird sehr intensiv und auch nachvollziehbar, ja erschreckend realistisch dargestellt. Jegliche Versuche, mit ihren Peinigern etwa auszuhandeln, zu diskutieren oder Licht ins Dunkeln für das alles zu bringen, führt zu nur noch mehr Frustration, zumal es sich bei diesen Beiden schlichtweg um kalte Söldner handelt, denen einfach keine Regung oder auch nur ein Hauch Menschlichkeit zu entlocken ist, an dem man ansetzen könnte.

Die Klimax ist erstklassig aufgebaut, die Spannung verdichtet sich immer mehr, der Leser fiebert mit, überlegt, rätselt… Gefangen nimmt einen dieses Buch auf jeden Fall, auch wenn die Auflösung vielleicht nicht jedem gefällt. Auf jeden Fall absolut lesenswert und fesselnd. (Goldmann) EV

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