Knusper knusper…. „Das Hexenmädchen“ von Max Bentow

Inhalt.“Zwei kleine Mädchen verschwinden. Drei Menschen werden grausam hingerichtet. Und wer ist die ‚Hexe‘, von der die Kinder erzählt haben? Den Berliner Kommissar Nils Trojan erwartet ein alptraumhaftes Szenario, als er mitten in der Nacht am Schauplatz eines Verbrechens eintrifft: Das männliche Opfer wurde in seiner eigenen Küche auf grausame Weise hingerichtet, der Körper ist arrangiert zu einem grotesken Tableau. Noch bevor Trojan Atem holen kann, schlägt der Mörder wieder zu – und wieder trägt die Leiche die unverwechselbare Signatur des Täters.

Trojan hat nicht den geringsten Anhaltspunkt, doch dann verschwindet plötzlich die kleine Sophie, dicht gefolgt von ihrer Freundin Jule, von der ebenfalls jede Spur fehlt. Langsam beschleicht ihn der Verdacht, dass ein Zusammenhang zwischen den Fällen besteht – denn zwei Fragen gehen Trojan nicht aus dem Kopf: Warum haben die Kinder von einer mysteriösen ‚Hexe‘ gesprochen, die sie in hexenmAngst und Schrecken versetzt? Und warum fühlte er sich beim Anblick der Mordopfer fatal an ein bekanntes Kindermärchen erinnert?“

Auch heutzutage faszinieren Märchen nach wie vor – spiegeln sie doch Archetypen wieder, Urängste… fundamentale Attribute bilden ihre Basis. Kein Wunder also, daß diese, im Ganzen oder partiell, auch in der modernen Kunst gern aufgegriffen werden. Bei diesem Buch finden sich sowohl latente als auch deutlichere Reminiszenzen, was dem Lesen selbst den Hauch einer Erkundungsreise verleiht, Gedankenfäden parallel zum Gelesenen ablaufen läßt und insofern nicht nur Kreativität genießen, sondern auch entstehen läßt. Sofern man als Leser einen Hang dazu hat.

Die Inszenierungen des Täters sind zu klar, als daß man sie übersehen könnte und so stößt Trojan als bald auf einen alten Fall, seine Gedanken beginnen zu kreisen. Seine Aufgabe als Ermittler ist dabei auch stets von seiner persönlichen Entwicklung und einer klaren Ausarbeitung seines Charakters, seines Selbst begleitet. Lesern, die sich bereits mit anderen Werken Max Bentow´s auseinandergesetzt haben, dürfte dieser Protagonist bekannt sein. Nachdem Jule´s Freundin verschwunden ist, überschlagen sich die Ereignisse weiter und Jule verschwindet ebenso.

Etwas strange kommt die Tatsache, daß Jule´s Vater die Ängste seiner Tochter bezüglich besagter Hexe in Comics aufarbeitet – aber als pädagogischer Ansatz auch irgendwie interessant. Doch dies nur am Rande. Trojan sieht in diesen Geschehnissen und dem jahrelang zurückliegenden Fall eines jungen Mädchens einen Zusammenhang. Das Mädchen wurde nur mit einem Nachthemd im Winter aufgegriffen, sprach ebenfalls von einer Hexe, verstarb allerdings noch im Krankenhaus.

Spannend, straff und üppig in den Geschichtssträngen und Informationsmenge arbeitet sich Bentow zielgereichtet durch diesen spannenden Roman, der schon allein deswegen gefällt, weil er eben einen anderen Ansatzpunkt in Sachen Thriller bietet als die in letzter Zeit recht beliebte Variante der von Anfang an ersichtlichen Psychos der gleichen Bauart. Die Auflösung hätte vielleicht etwas schlanker und differenzierter ausfallen können, doch das ist allein Geschmackssache und auch eine Herausforderung für den Leser und dessen Aufmerksamkeit. (Goldmann) EV

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