Archiv der Kategorie: Feuilleton – Gesellschaft

Subsignal – Schnell da, schnell wieder weg, konservative Fortschrittler und induktive Lyrics

-„Mit Stickern können sich alle ausdrücken, aber mit eigenen Worten?“-

ss 2Musikmenschen sind auch nur Menschen und so klappte dieses Interview auf den zweiten Anlauf wunderbar. Sänger Arno Menses gehört nicht nur zur klang-erzeugenden, sondern auch arbeitenden Zunft und so war der Gute dann doch noch etwas vom Subsignal – Schnell da, schnell wieder weg, konservative Fortschrittler und induktive Lyrics weiterlesen

Es wird besser – ähm – nicht besser

Ja, die Moral und Mensch, das paßt nicht so ganz. Und als würden wir das alle nicht schon längst wissen und uns dennoch einen Dreck drum scheren, sind wir immer entrüstet, wenn wir mal wieder mit der Nase auf neue Unverfrorenheiten stoßen.

Nun, in manchen Fällen sind wir dann wirklich baff, in anderen tut geistesblitzman eben nur so. Und wer jetzt sagt ‚nein‘, ist entweder ein weltfremder Depp oder noch doppel-läufiger als eine A1 Second Century. An dieser Stelle müssen wir aber kurz Es wird besser – ähm – nicht besser weiterlesen

Ohrenfeindt – Das Menschsein hört nicht an der Bühnengrenze auf

Ein Motto in der Politik: Man kann´s ja mal probieren. Es gibt so Tage, an denen ahnt man nichts Böses. Und dann gibt es so Tage, da freut man sich auf ein Interview. Und dann gibt es so Tage, an denen diese eben einfach aus dem geplanten oder angedachten Rahmen fallen und so richtig richtig interessant und vielseitig werden. So hat es sich bei diese Interview mit Ohrenfeindt-Fronter Chris Laut ergeben, daß es zu einem Interview-Nachschlag kommen wird – of1denn selbst nach einer Stunde intensiven Gesprächs waren wir irgendwie bei allen möglichen Themen nur nicht bei der aktuellen feinen Rock´n´Roll-Scheibe „Motor An!“. Das wird natürlich nachgeholt. Chris ist derweil nicht nur emsig am promoten der neuen Platte, sondern auch kräftig am T-Shirts entwerfen. „Was geht, mach ich selbst“, schnoddert´s sympathisch aus dem Hörer. Ohrenfeindt – Das Menschsein hört nicht an der Bühnengrenze auf weiterlesen

Leaves´ Eyes – Die Augen auf Deutschland und schlechte Karten in Kindergarten

Elvis has left the building – aber Liv bleibt länger

LE 2Als dieses Interview mit der charismatischen Sängerin Liv Kristine stattfindet, ist für die Band eigentlich irgendwie doch ein Durcheinander angesagt. Eigentlich sollte ein kurzer Promo-Trip zur neuen Scheibe „King Of Kings“ stattfinden, doch daraus wurde kurzfristig nichts. Warum? Nun ja, weil das Flüchtlingsthema die Zeitungen derart überflutet, daß für andere Sachen kaum mehr Zeit, Nerv oder Interesse besteht. Tja, liebe Leute, das sind die anderen Facetten, an die niemand denkt: Sowas hat eben auch ungeahnte Folgen für komplett andere Bereiche.

„Ja, das wird oft wirklich übersehen. Aber sei´s drum. Führ ich eben mehr Interviews per E-Mail. Ich für meinen Teil habe nie einen Krieg miterlebt“, berichtet die gebürtige Norwegerin, Leaves´ Eyes – Die Augen auf Deutschland und schlechte Karten in Kindergarten weiterlesen

Haudegen – Die Zeit ist wie ein Radio und es wäre schön, wenn unsere Musik den Soundtrack dazu liefern kann

Die Musikbranche hält viele Überraschungen und vor allem auch positive bereit. Das neue Album von Haudegen, „Lichtblick“, gehört nicht dazu. Zu den Überraschungen. Schon längst haben sich Hagen Stoll, Sven Gillert und ihre Mitstreiter eine einzigartige Position HAUDEGEN_005_fb_800durch ihre Authentizität erspielt und so trifft das neue Album mit seinen Songs auch immer wieder mitten auf den gewünschten Punkt. Haudegen vermitteln ein Gefühl von Menschlichkeit und echter Fannähe, einfach Nähe am Mensch, die man heutzutage nicht mehr allzu oft findet.
Als das Telefon scheppert und sich Hagen zu Wort meldet, hallt es erstmal fett durch den Hörer. „Das ist ein extra eingebauter Effekt.“ Ja, nee, is‘ klar. Promo-Streß – sollte man eigentlich meinen, x Interviews geben usw… „Och, das als Streß zu bezeichnen wäre echt Meckern auf hohem Niveau“, lacht´s am anderen Ende des Hörers. „Klar machen wir so viel wie möglich, aber das als Streß zu sehen…“ Da muß ich gleich mal zu Beginn was einwerfen, wurde mir doch von Promoseiten kurz vor dem Interview noch ein Hörgenuß auf die Bonus-CD gegönnt und bei „Viva la Familia“ mußte ich etwas schmunzeln. Haudegen – Die Zeit ist wie ein Radio und es wäre schön, wenn unsere Musik den Soundtrack dazu liefern kann weiterlesen

Die Wilden Zwanziger

Normalerweise hört man ja immer die goldenen Zwanziger, und gefällt allerdings schlicht die Bezeichnung der wilden Zwanziger besser – und das trifft es auch. Zumal sich ersteres auch eher national beziehen läßt und das ist nicht sonderlich – weitblickend. Späßle gemacht. Nun kommen wir aber mal zur Sache. Die goldenen Zwanziger – der Begriff stammt eigentlich daher, daß es in den Jahren 1924 bis 1929 besonders für Deutschland recht gut bergauf ging. Naja, mit der anschließenden Weltwirtschaftskrise war das Lachen für alle wohl nicht mehr so breit, dafür kamen grad Leute wie Bugsy Siegel langsam aber sicher ausm Quark, was das Ganze doch auch reizvoll macht. Bricht die Wirtschaft zusammen, kommen die verwegen Vollzeit-Psychopathen, verwursten die verbrannte Erde noch mehr. Dabei ist ihnen eine fast übermenschliche Aura inne und wir schreiben hier grad totalen Quatsch.

Über den Zwanzigern hängt allerdings wirklich ein ganz anderes Flair – Kultur und Wirtschaft hielen viele Überraschungen auf Lager. Die Wilden Zwanziger weiterlesen

Soziale Netzwerke – Pro & Contra

Jeder kennt sie, jeder nutzt, Naja, zumindest die meisten. Und wunderbar, man braucht ja nicht mal mehr einen PC dazu. Jippi. Dabei gibt´s natürlich sinnvollere und sinnfreiere Angebot – wobei das wieder im Auge des Betrachters liegt. Chats wie Knuddels etc verführen an sich eh schon stinkfaule Zeitgenossen, nur zu tippseln um des Tippselns Willen. Da wird regelrecht in den ansonsten User freien Chatraum reingespamt, was das Zeug hält und selbst, wenn man dann mal ein genervtes „Laß das!“ bekommt oder gar gemeldet wird, freut man sich über drei Gramm öffentliche Aufmerksamkeit.

Macht zwar genau so viel Sinn, als würde man sich darüber freuen, von einem Auto angefahren zu werden – so nah war man einer Karre noch nie, oder was? Nun denn. Netzwerke wie Lokalisten und ähnliche haben sicherlich User dank dem Giganten Facebook eingebüßt. Soll nicht heißen, daß sich diese Benutzer gleich vollends abgemeldet haben, aber man kann schließlich nicht dauerhaft auf mehr Hochzeiten tanzen und will man zwischen Frühstücksfotos und sinnlosem „Ich bin dann mal weg“-Ankündigungen auch noch mal aufs Klo, kann man eben nicht alle Netzwerke betüddeln. Frage dabei: Wem soll das ehrlich Angst machen? Also dieses „Ich bin weg/ mach Schluß“-Blabla? Wem´s echt dreckig geht, schreibt da was anderes. Das hat eher die Wirkung eines verzogenen kleinen Kindes, das grad mal hinter dem Geschwisterchen zurückstehen muß und als Reaktion die teure Vase runter pfeffert, damit alle glotzen.

Nun heißen die Tele ja aber nicht umsonst soziale Netzwerke und die Grundidee mag ja an sich eine gute sein. Wenn einmal positiv gestimmt ist und unterstellt, diese jene welche Grundidee war das Zusammenführen von Menschen. Für alle, die ansonsten wenig Möglichkeiten haben, unters Volk zu kommen (gesundheitlich zum Beispiel), blödelige Arbeitszeiten haben, die kaum gemeinsame Freizeit zulassen etc. Wer sich bereits kennt, kann auch anders über große Distanzen Kontakt halten. Logisch, man kann hier viele neue Leute kennen lernen. Aber so groß auch der Argwohn gegenüber der Politik etwa ist, so lieb und nett und toll findet man gleich alle im Netz, die nur „viele Grüße, ich wünsch dir einen schönen Tag“ schreiben.

Mal blöde Frage: Wer sagt, daß nicht genau hinter dem Account gar Merkel selbst steckt? Klar, maßlos übertrieben. Aber grundsätzlich: Nichts Genaues weiß man nicht und es ist sicher jedem schon einmal passiert, sich in einer Person getäuscht zu haben. Dafür muß man nicht mal im Netz sein. Das passiert selbst nach Jahren des richtigen Kennens im realen Leben. Und doch schenkt man wildfremden eine Menge Vertrauen. Warum eigentlich? Sollte man sich mal sich ganz allein fragen. Das ist keine Verurteilung, denn jeden von uns hat´s schon mal getroffen. Nur die nicht, die sich selbst anlügen.

Am Ende streßt man sich rein für doofes Gelüge. Oder hat gleich Stalker/ Stalkerin oder sonstige Psychos am Hals. Aber unverdrossen sei der Mensch, mutig und frei und mache weiter wie bisher. Nachrichten-Meldungen, was an alles an Käse rauskommen kann durch manche Online-Bekanntschaften, sind ultra-schlimm – und werden gleich online unters Volk gebracht und mit – richtig – Wildfremden diskutiert. Mißtrauen der extra Klasse soll das hier nun auch nicht streuen – aber eine gesunde Portion Menschenverstand. Klar, schwer, wenn Aufmerksamkeitsdefizit contra „Überlebens“-Instinkt steht. Klingt hochgradig überzogen, ist aber so.

Nun, für was sind soziale Netzwerke nun gut: Man kann wunderbar viele Menschen so ziemlich kostenfrei erreichen (und noch viel mehr, wenn man sich „Gefällt mir“s kauft). Sicher fein, um Werbung für Dienste oder Produkte zu machen. Für Künstler auch – schließlich kann man jeden auf dem Laufenden halten und (leider) machen sich bald mehr Leute via Facebook schlau als per Zeitung oder Homepages. Die Streuung ist schon gut für solche Zwecke. Auch kann man evtl aus seinem Einsamkeitspfuhl herauskommen. Auch kann man Leutchen wieder finden, die man aus den Augen verloren hat.

Und nun zum Minus: Egal, was da gepostet und geschrieben wird die Scheiße wird geglaubt. Schnell ist man verunglimpft oder tritt in den Verein der Halb-Informierten ein. Auch kann das kann gefährliche Folgen haben. Die Haut ist zum Beispiel extrem dünn, handelt es sich um Mißbrauch an Kindern. Ui, da ist doch schnell mal ein Bild gepostet und eine Name samt Behauptung und rund geht´s. Klasse, Burli.

Es wird zu Parties geladen, von denen die Leute nichts wissen, Gemüter werden angestachelt – es findet sich für jede Perversion und nicht Perversion genügend Nährboden. Schön ja, wenn stolze Mamis und Papis Fotos ihrer Kinder teilen. Tut das denn Not? Sehr großartig ist auch die scheinbare Standard-Meldung von FB selbst, wird ein Beitrag, Foto etc gemeldet. Irgendwie kommt zuerst immer postwenden: Verstößt nicht gegen die Richtlinien. Wartet man ein bißchen, hat sich dann vielleicht doch mal irgendwer bequemt und man bekommt eine gegenteilige Nachricht. Und nein, wir sind keine Melder, das sind ja die nächsten Honks, die gelangweilt durchs Leben stapfen und vor lauter Grieskram schon Verstopfung haben müssen. Aber wenn´s um Tierquälerei und ähnliches geht, die da gefiert wird, darf man schon mal sein Mäulchen aufmachen.

Wie dem auch sei: Ein positiver Aspekt fällt mir noch ein: Diese Plattformen bieten eine so herrlich schöne Möglichkeit, seinem Frust freien Lauf zu lassen, daß zum Beispiel unsere Politiker gar keine Angst mehr haben müssen, daß sich wirklich mal irgendwer gegen diesen ganzen Schmonz wehrt. Das Pulver wurde ja bereits verbal verschossen.

Und last but not least: Big Brother freut sich ein zweites Loch in den Arsch. Mahlzeit.

Las Vegas oder: Disneyworld Reloaded?

Sorry, ich weiß ja nicht, ob es nur mir so geht, aber erstmal von Anfang an: So aus reiner Langeweile und angeregt durch „Mob City“ habe ich mir mal erlaubt, mir ein paar Infos über Las Vegas einzuverleiben. Ja, schön richtig gelesen. Las Vegas und Disneyworld auf einer Seite. Vertraut mir, warum das nur eine logische Frage ist, eröffnet sich Euch noch. Der Umbruch einer Wüste, nix anderes war der Start dieser heutigen Metropole. Wortwörtlich aus dem Boden gestampft und mit einem langen Hang zu einer etwas anderen Handhabung und Gesetz machte sich zuerst Benjamin „Bugsy“ Siegel hier breit und er sollte ja nicht der einzige bleiben. Nun ja, allzu lange sollte seine Freude über das neu erschlossene Geld-Perpetuum-Mobile ja nicht dauern, aber zumindest hat er den ganzen Krampf mal angefangen.

Die größte Stadt im Bundesstaat Nevada war prächtig für die Ideen des durchgeknallten Mobsters geeignet und ganz klar gedieh die Kasino-Landschaft immer mehr. Verrucht, nicht so ganz ohne, immer ein offenes Sprungbrett für Künstler (man denke an Frank Sinatra) hat sich aus einer kleinen Idee ein Sin City entwickelt. Und natürlich ein Magnet für Touristen aus aller Welt. Und war bzw ist es nicht jener Hauch des Verbotenem, des Grenzwertigem, das den Reiz von Las Vegas ausmacht? Blödsinn, wie sofort zu heiraten, Sprüche wie „was in Vegas passiert, bleibt in Vegas“ und, und, und?

Und da kommt sie nun wieder: Die menschliche Gier und anderer Mist. Es vergöttert ja niemand die Zeiten, in denen es vielleicht brachial und brutal hoch ging und ja, ich versteh´s ja irgendwo, daß der Staat nicht so auf Steuerhinterziehung und solche Spiränzchen steht. Alles kein Dingens. Sagt auch niemand was dagegen, daß auch Las Vegas sowas wie Regeln und Gesetze haben sollte. Um die geht es jetzt auch ausnahmsweise mal nicht. Nee, es ist doch zum Heulen, wenn man sich ansieht, was aus diesem „magischen“ Örtchen geworden ist bzw wird.

Daß der gemachte Anfang in Nevada allein schon aufgrund der geologischen Gegebenheiten ein gefundenes Fressen war, ist klar. Nicht zu weit weg und gähnende Leere. Also, Platz für Neues, mit dem man die Gegend zupflastern kann. Die damaligen Gesetze luden ja schon fast regelrecht dazu ein, diese Region einzunehmen. Und bis zu einem gewissen Punkt auch klar, daß hier keiner einfach die Vormachtstellung einem einzelnen, nun nennen wir es mal, Unternehmer überläßt und x Leutchen nachziehen. Soll ja auch für Vielfalt sorgen. Allein, was diese Stadt der Künstler- und Entertainmentbranche gebracht hat, läßt sich kaum beschreiben. Klar, den einen oder anderen hat Las Vegas oder besser die hier wunderbar ausgelebte eigene Hirnlosigkeit ein bißchen ins Verderben gestürzt, aber was soll der Geiz. No risk, no fun, kein Tatendrang.

 

Ist doch wahr, hat doch jeder selbst in der Hand, ob er wirklich der Illusion erliegen will, daß gerade er (oder sie) an Tag X im Mirage oder einem anderen Hotel/ Kasino die Bank schlägt. Erstens soll sowas ja auch vorkommen (irgendwie muß man das Spiel ja am Laufen halten) und zum anderen: Man kann auch mit Spaß verlieren, es tut ja nicht zwingend Not, daß man sich gleich ruinieren muß. Außer vielleicht man braucht seine tägliche Dosis Mitleid und so hätte man ja wenigstens einen Grund dafür. Sei´s drum. Faszinierendes Las Vegas, Punkt. Und was einem hinter den Kulissen abschrecken mag, ist vielleicht für wieder Andere der Reiz.

Auch ganz klar, daß das Rotlichtmilieu hier ganz unbedingt weit weg verbannt ist, jaja. Was wär das denn? Ein Sündenpfuhl ohne das? Das macht doch absolut keinen Sinn, ob man nun Besucher solcher Etablissements ist oder nicht. Das gehört wie das Domino-Eis zum Kino, die Hundekacke in den Park und der tägliche Fingerklapps für Politiker. Das muß einfach, ohne fehlt was. Und jetzt kommen wir zum Hohn und Beweis, daß der Mensch an sich ein Rindviech ist (nicht Rindvieh, damit bezeichne ich die huftragenden Tierchen, also VieCh). Weil so geht das nämlich null. Nein. Nee nee. Böse Spielhölle (pfui) und ein bißchen Sex-Appeal ein bißchen übertriebene Party, ein bißchen hart an der Grenze, Kreativität, die aus sich selbst entsteht, um in Vegas als Unternehmer zu bestehen – kurzum: Der Rock´n´Roll paßt nicht zum Tourismus. Ätsch, da hamma den Salat.

Alles schön und gut, ich glaub, niemand will unbedingt, daß sein kleines Kindilein lauter kaum bekleidete Damen rumfetzen sieht. Und Chips sollten in dem Fall auch nicht aus Plastik sein und einfach eine Nascherei. Wenn´s denn in einem gewissen Alter überhaupt schon sein muß. Sind wir mal ehrlich: Würden wir mit einer Metropole der Wissenschaft und der Kultur prahlen, würden wir unseren Touristen auch keine Slums um die nächste Ecke rum präsentieren wollen. Nur so als Beispiel.

Aber was ist das denn? Welcher Depp macht den einen Familienausflug in Las Vegas? Mal ehrlich: Weltenbummler, Vollzeit-Chaoten, Geschäftsleute, Singles, Partygeier, professionelle Spieler, Künstler… aber doch keine Familien mit Kindern. Das wär das Gleiche, als würde man seine Brut zusammensammeln und zu Tui sagen: „Also, wir wollen jetzt in Kriegsgebiet XY Urlaub machen und sie sorgen dafür, daß die da derweil mitm Kriegspielen aufhören“. Sorry, der Vergleich hinkt, aber genau deswegen paßt er. Las Vegas soll touristen- bzw familienfreundlicher werden, eigentlich ist das ja schon der Fall. Klar, gewisse Abgrenzungen sollten schon zum guten Ton gehören, aber das ist mutet ein bißchen an, als wolle man das Geld und das aufgesetzte Entertainment-Gelache irgendwelcher Showgirls behalten und heile Welt spielen.

Und da kommt der nächste Denkkanal-Krampf: Wie doof und kurzsichtig muß man sein, wenn man genau das an einer Sache abschaffen oder immens verkleinern will, was eben das bekannt und einzigartig gemacht hat. Ergo soll heißen: Liebe Touristen, schön, daß ihr da seid, ihr dürft bleiben, Las Vegas gibt´s jetzt nur noch ab FSK 6, aber wurscht. Liebe Unternehmer, anpassen oder pleite gehen, liebes Las Vegas, gut daß du dich nicht im Grab umdrehen kannst. Es hat so einen Hauch von… Falschheit. Man könnt´s auch mit der ein oder anderen Umwälzung im Musikbiz vergleichen: Erst eine Band durch ihre eigenwillige Art und Inividualität groß werden lassen, warten bis die Fans sich festgebissen haben und die Band dann stutzen – damit man kommerziell eine noch breitere Masse erreicht.

Aber was soll´s andererseits: Als Kiddi kann man noch gespannt drauf sein… auf den ersten Rausch, die erste Zigarette oder whatever. Und da sich in wohl zehn Jahren kaum einer mehr einen größeren Urlaubstrip leisten kann, können die Kinder von heute dann wenigstens morgen sagen: „Wie, einem Besuch in Vegas entgegenfiebern? So ein Schmarrn, Micky Mouse kenn ich schon.“

 

Etz spinna´s alle

Also, die Pressegeilheit mancher mittlerweile wohl Minus-Promis ist schon sagenhaft. Die Meinungen zu Till Schweigers Engagement lassen ja so manchen schon die Hutschnur aufgehen, aber jedem das Seine. Aber die News, die grad über Heinz R. Kunze die Runde macht, ist eine Vorbereitung auf eine die Stimmung erheiternde Entwicklung.

Musikinstrumente sammeln für geflohene Menschen. Ja, ich geb ihm recht: Musik und Sport sind wichtig. Die alten Griechen waren ja keine totalen Spinner mit ihrer Idee zu den olympischen Spielen. Und die Wirkung von Musik ist ebenso wenig zu verachten und Kunst wirklich an sich auch wichtig. Aber das ist ja hier gar nicht der Punkt! Der Punkt ist, irgendwer sammelt irgendwas, damit der Name mal wieder rumgebabbelt wird. Super Ingo.

Und natürlich jeder nach seiner Fasson. Klar werden da Musikinstrumente gesammelt (warum na ned selber gekauft, ha?), genau DAS paßt zum Image und der Rest ist schnurzwurscht. Wie wär´s mit´m Wörterbuch? Genug Handtücher und Bettwäsch´? Iwo, ein Musiker muß Musikinstrumente sammeln und schenken, und scheiß egal, wieviel Sinn es machen würde, aber dann sollte doch mal auch eine Rolex-Sammlung durch den Hersteller angeleihert werden. Oder Brötchen sammeln durch den Bäcker. Wie schaut´s aus, liebe BMWler? Sammelt doch Eure Autos wieder ein, egal, ob die an der Stelle gebraucht werden oder nicht.

Das ist einfach mal sowas von am Ziel vorbei, daß es einem das Messer in der Tasche aufstellt. Sorry, aber ist so.  Ich wart drauf, daß, sofern die Sendung DSDS mal krankende Einschaltquoten aufweist, die teilnehmenden Musiker zu Begrüßungschören als Werbezweck umfunktioniert werden.

So, und mehr Platz hamma hier für den Quatsch nicht.