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Regionalisierung an fränkischem Beispiel oder: Wenn das Ende der Wurst erreicht ist – Teil II

Das erwähnte Sonntagsessen spielt ebenso mit der Erinnerungen an Zeiten als Kind, in denen eben der Mensch noch keinen größeren Probleme im Normalfall ausgesetzt war, es handelt sich um einen ernährungstechnischen Brauch, der sich eingeschlichen hat und dabei nicht nur den leeren Magen füllt und somit für ein Gefühl der Wohligkeit führt, sondern auch die Psyche anregt und Verknüpfungen an schöne Erlebnisse im sicheren Kreise der Familie hervorruft.

Ob noch Familie vorhanden ist oder sich allein in ein Restaurant, einen Biergarten oder dergleichen begeben wird, man sich mit Bekannten zuhause zum Essen verabredet: Es wird pünktlich aufgestanden und nicht bis in die Puppen geschlafen und es steht fest Braten auf der Speisekarte.

Ein weiterer, nicht zu verachtender Punkt beim Zusammenhang zwischen Regionalisierung und Ernährung spielt hier auch das kulturelle Erbe. Das Beispiel der Herkunft der Nürnberger Rotbratwurst wurde bereits angeschnitten. Hier sei auch das Beispiel des „Knoblauchlands“ herangezogen, einer Gegen im Nürnberger Raum, in der eben vermehrt Obst und Gemüse angebaut werden – im Laufe der Jahrzehnte und –hunderte erhielt diese Gegend diesen Namen und es ist Brauch, sich auch nach Möglichkeit von dort beliefern zu lassen oder sich selbst dorthin zu begeben, um seine Vorräte aufzufüllen.

Die fränkischen Brauereien stellen nicht nur eine große Vielzahl dar, die meisten unter ihnen haben auch eine traditionsreiche und sehr lange Geschichte, die gerne hoch gehalten wird.

Die Brauerei Pyraser veranstaltet mittlerweile ein eigenes Open Air, daß auch international bekannte Künstler der Musikszene, insbesondere der Rockszene, anlockt, Unternehmen wie Tucher Bräu oder Kulmbacher verfügen durch entsprechende Verträge aus alten Tagen über gewisse Grund- und Belieferungsrechte hinsichtlich der Gastronomie, sprich sie verfügen nach wie vor über Grundbucheinträge, die ihnen den entsprechenden Pächter eines Lokals zugleich als Abnehmer ihrer Getränkeauswahl kredenzt.

Auch beim Verzehr der Getränke, in diesem Fall des Bieres, wird vermehrt auf die Tradition zurückgegriffen – die Ahnen, die Eltern haben es einem vorgemacht und vorgelebt. Hier ist ebenso die instinktive Verbindung zu Sicherheit ein Funke, der mitschwingt.

Nun mag auch der Begriff des Herdentriebs in das Gedächtnis mancher kommen, doch gilt es hier zu unterscheiden: Eine gewisse Form des Herdentriebs mag sicherlich ein Grund für dieses Verhalten, die Speise- und Getränkeauswahl sein, doch wiederum ist es die Suche nach der Zugehörigkeit bzw deren Bestätigung, die als Auslöser für diesen Herdentrieb gilt.

An dieser Stelle sei auch nochmals auf das Prinzip des Kilts im Keltischen/ Schottischen verwiesen. Natürlich diente die Farb- und Musterwahl der Zuordnung zu einem Clan, einer Familie, doch genau deshalb stellt sich die Frage, warum dies von derart großer Wichtigkeit war: Im Grunde verhielt es sich damit ebenso wie mit gleichen Uniformen der Bundeswehr – zur Klarstellung der Fronten, Arbeitsmonturen bei Handwerkern als Zugehörigkeit zu Firma X und Z,… diese Form des Darstellens der Zugehörigkeit diente auch dem eigenen Schutz.

Sei es vor Verwechslungen durch den Rückhalt der Familie, des Clans, was wiederum Unversehrtheit garantierte – die Übernahme einen gewissen Familienbrauchs diente schon immer dem Schutz, zum einem wurde den Erfahrungswerten der Familie gefolgt und diese wurden weitergegeben, zum anderen diente die Umsetzung und Beibehaltung dieser schon von jeher besagter innerer Sicherheit.

Ebenso verhält es sich eben mit den Gebräuchen der Ernährung, wobei hier anzufügen ist, daß besonders auch Nürnberg bzw die fränkische Gegend hier nicht opulenten Mengen und leicht verschwenderisch wirkenden Einsatz von Ölen, Fetten und dergleichen aufwartet. Reichtum wird auch hier in Form der Essenszubereitung und Darbringung deutlich gemacht, selbst wenn dieser nicht vorhanden ist. Dies scheint ebenso ein wichtiger Faktor zu sein, nicht nur, um sich selbst vorzugaukeln, wie gut s einem geht, sondern auch, um zu prahlen und vorzuspielen. Es scheint dabei, als mangele es an nichts, auch wenn dies nicht der Wahrheit entspricht. Dies mag im Falle von Nürnberg und dem vehementen Im-Gedächtnis-Behalten und Leben der Vergangenheit noch einen weiteren Beweggrund haben, der eventuell im Stellenwert der Stadt zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs zu finden sein kann.

Regionalisierung an fränkischem Beispiel oder: Wenn das Ende der Wurst erreicht ist – Teil I

Und ja natürlich war bei diesem Artikel und der Recherche immer ein Augenzwinkern dabei…. 😉

Aber es ist ein gutes Beispiel für den psychologisches Aspekts des Phänomens der Regionalisierung. Teil II folgt in Bälde.

Der Begriff der Regionalisierung findet vor allem in der Sozialpsychologie Anwendung und bedeutet eine Form der Identifikation mit einer bestimmten Region und deren Bräuchen, Menschen, Sprachgewohnheiten – der Mensch zählt sich einer Gruppe zugehörig. Ein gutes, augenzwinkerndes Beispiel stellen hier zum Beispiel die in Nürnberg ansässigen Franken dar: So liegt Nürnberg zwar in Bayern, doch wird sich vehement geweigert, anzuerkennen, ein Bayer zu sei, sondern ein Franke.

Diese Form der Identifikation gibt den bestreffenden Menschen auch eine gewisse Form der Sicherheit, vor allem wird hierbei oft der Dialekt genannt – oftmals wird ein Umzug aus Gründen des erschwerten sprachlichen Verständnisses argwöhnisch betrachtet. Die Besinnung auf das Bekannte, Überschaubare vermittelt den Menschen eine Form der Sicherheit und auch eine Form der Eigendefinition. Regionalisierung an fränkischem Beispiel oder: Wenn das Ende der Wurst erreicht ist – Teil I weiterlesen